Die Kulturseiten der Alexandrowka

Alexander-Newski-Gedächtniskirche

Die Alexander-Newski-Gedächtniskirche

Der Bauherr der orthodoxen Kirche Friedrich Wilhelm III. forderte eine Kirche zu erbauen, in der sich die Stilmöglichkeiten des Berliner romantischen Klassizismus in der russischen Spielart entfalten sollten. Dafür beorderte er den Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Die eigentlichen Baupläne lieferte aber der am Petersburger Zarenhof tätige namhafte klassizistische Architekt Wassilij Petrowitsch Stassow (1769-1848), die Schinkel überarbeitete. Auch das Interieur erfuhr somit die Handschirft Schinkels. Der Kirchbau erfolgte parallel zum Baugeschehen in der Kolonie. Der König selbst traf die Standortwahl auf dem Minenberg (der Name war auf Sprengversuche an dieser Stelle zurückzuführen, später hieß er Alexanderberg, heute Kapellenberg), denn die Kirche sollte an exponierter Stelle errrichtet werden. Des Königs Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné (1789-1866) selbst wollte sie nach seinen Entwürfen an den Rand der Kolonie stellen. Die Fertigstellung der Alexander-Newski-Kirche am 11. September 1829 markiert das Ende der Bauarbeiten der Kolonie Alexandrowka. Der erste Gottesdienst der russisch-orthodoxen Gemeinde wurde im Beisein von Zar Nikolaus I. am 10. Juli 1829 in der neuen Kirche abgehalten.

Ikone Jesus Christus,
Westseite
Ikone Theodorus Stratilates, Nordseite
Ikone Alexander Newski, Südseite
(Bildquellen Wikipedia)

Die feierliche Weihe auf den Namen Alexander Newski folgte auf den Tag genau drei Jahre nach der Grundsteinlegung am 11. September 1829. Die Wahl des Namenspatrons Alexander Newskis war zweifach begründet. Einmal war die Kirche zum Gedächtnis an den 1825 verstorbenen Zaren Alexander I. errichtet worden, dessen Schutzpatron Alexander Newski war. Zum anderen mögen historische Bezüge dominiert haben. Alexander Newski, Fürst von Nowogard und seit 1252 Großfürst von Wladimir, besiegte im Jahre 1240 das schwedische Heer an der Newa und 1242 den Deutschen Orden auf dem Eis des Peipusses. Für seine Verdienste wurde er später heilig gesprochen.

Kuppel der Alexander-Newski-Kirche

»Vom architektonischen Grundtyp her zählt die Alexander-Newski-Kirche zu den auf vier Pfeilern ruhenden kleinen Kreuzkuppelkirchen.... (Ihr quadratischer Grundriss) hat eine innere Kantenlänge ovn 9,20m. ... Die Klassizität der Kirche wird durch das Maß der inneren Höhe der Zentralkuppel unterstrichen, die mit 18,40 m genau der doppelten Kantenlänge der Vierung entspricht.
Die Ostfassade ist als Apsis gewöbt. Sie nimmt den Altarraum auf. Über der Vierung mit ihren breiten Gurtbögen steigt der zylinderförmige Tambour empor und setzt sich in der Hauptkuppel fort, begleitet von vier Nebenkuppeln über den Eckräumen. Der klassizistische Aufriss wird in den übrigen Fassaden nach Westen, Süden und Norden mit gleichem Maß weitergeführt. Vertikal sind die Fassaden durch Lisenen dreifach gegliedert.
Die jeweils um die Mittelachse geführten Kielbögen gelten als architektonisches Element der Gotik... und wird zu Beginn des 15. Jh. zu einem bestimmenden Kennzeichen der Moskauer Bauschule. Die Kielbögen werden durch schlanke kannelierte Säulen gebildet, die maßvoll zu einem gotischen Spitzbogen zusammenfinden und mit einer vergoldeten Halbkugel und einem Kreuz gekrönt werden.
Im Vierpass oberhalb der Kielbögen sind im Jahre 1851 ... Lavatafeln eingefügt, die auf goldenem Grund Ikonen des Malers August von Kloeber aufnehmen (siehe Bebilderung). Sie sind in ein flaches ornamentales Gesimsband gefügt, das die Fassaden horizontal gliedert und als Basis für die aufsteigenden schmalen lichtspendenden Rundbogenfenster dient.
Den fundamentseitigen Abschluss bildet ein ähnliches Flachband. Ein über vertikal verlaufenden Pilastern gefügtes schmuckloses Gesimsband umfasst den gesamten Kubus und setzt ihn gegenüber der weitaus dynamischeren Dachregion ab.
Markantes Gestaltungselement des Attikageschosses bilden Halbkreisfenster an den Ecken und im oberen Teil des Apsis. Die maßwerk-geschmückten Rundbogenfenster lassen das Tageslicht in den Altar- und in den Gemeinderaum fließen. Ein breiter ornamentalverzierter Fries und aufgelegte Kreuze beleben das Attikageschoss zusätzlich.
Alle Kuppeln sind in der russischen Zwiebelform ausgeführt ... Den Abschluss bilden vergoldete Kuppeln, die je ein Christus-Kreuz tragen. Umlaufende Säulenfriese an allen Kuppeltürmen unterstreichen die Klassizität des Kirchenbaus.
Die beiden Westtürme nehmen die Glocken auf, die noch heute zum Gottesdienst einladen.«
(Quelle: Karl-Heinz Otto, Alexandrowka und die Alexander-Newski-Gedächtniskirche. Zu beziehen bei Edition Märkische Reisebilder)

Russische Kolonie Haus 14

Die Kirche wurde 1977 restauriert, seither zeigt sie sich in ihrer ursprünglichen zarten rosa Farbgebung. Das Haus Nr. 14 direkt neben der Kirche, beherbergt heute Räumlichkeiten der russische-orthodoxen Gmeinde und dient als Wohnsitz des Erzpriesters und seiner Familie. Ungefähr 3000 Gläubige verschiedener Nationalitäten betreut die Russisch-Orthodoxe Kirche des heiligen Alexander Newski zu Potsdam. Ihr Bestehen ist Symbol für die gemeinsame deutsch-russische Geschichte, für den Integrationsgedanken und der Vökerfreundschaft.

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 Bordure, Haus Nr. 12

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